Kontakt Geben Sie uns Ihr Feedback! REALPORTICO News

Infrarotheizung im Schloss, Altbau und Denkmal: Ein Gespräch über Effizienz, Integration und Substanzerhalt

Steffen Seibel

Historische Immobilien besitzen ein eigenes Raumklima. Die Frage, wie sich große Räume mit massiven, kalten Mauern beheizen lassen, ohne die Bausubstanz zu gefährden oder die Kosten ausufern zu lassen, gehört zu den zentralen Herausforderungen jeder Sanierung.

Während die Wärmepumpe politisch als Standardlösung gilt, stoßen klassische wassergeführte Systeme im Denkmalbestand häufig an technische und gestalterische Grenzen. Infrarotheizungen werden in diesem Zusammenhang noch immer skeptisch betrachtet oder als vermeintlich ineffiziente „Stromheizung“ abgetan.

Der Baubiologe und freie Sachverständige Gerd Mappes sowie Markus Willegger von Infrarothimmel.at sanieren seit vielen Jahren mit CELSIUS ALL in ONE Entfeuchtungs- und Heizsystem auch großvolumige historische Gebäude. Auf ihrem YouTube-Kanal @Infrarothimmel räumen sie mit gängigen Mythen rund um Infrarotheizungen auf und vermitteln praxisnahes Wissen für Bauherren und Sanierer. Im Gespräch geht es um die 1:1-Effizienzfrage, um Feuchtigkeit und Substanzerhalt sowie um die Frage, ob hybride Heizkonzepte im Schloss künftig notwendig sein könnten.

Team infrarothimmel
Gerd Mappes & Markus Willegger
von infrarothimmel

Das Fremdkörper-Problem bei Infrarotpaneelen ist oft eher ein Vorurteil als eine Realität.

Inhalt

  1. Warum wird Infrarot unterschätzt?
  2. Wie funktioniert eine Infrarotheizung?
  3. Sanieren mit kleinem Budget – wo hilft Infrarot?
  4. Wärmepumpe oder Infrarot: Was rechnet sich im Schloss?
  5. Denkmalschutz und Infrarot: ein Widerspruch?
  6. Infrarotpaneele in historischen Räumen
  7. Schadet Infrarot historischen Oberflächen?
  8. Infrarot allein oder hybrid: Was ist die Zukunft?

1. Die Wärmepumpe gilt heute als Standard für energieeffizientes Heizen. Warum spielt das Infrarotkonzept in der öffentlichen Wahrnehmung bislang eine geringere Rolle als in der Praxis?

Ich glaube, das hat vor allem historische und politische Gründe. Konvektionssysteme – ob Gas, Öl oder Wasser – sind seit Jahrzehnten der industrielle Standard. Planung, Handwerk und Förderpolitik sind auf sie ausgerichtet. Die Wärmepumpe hat diesen Status in den letzten Jahren durch massive politische Unterstützung übernommen.

Infrarot fällt aus diesem Raster heraus - dezentral, wartungsarm - und benötigt keine Installateurskette. Das macht es für die Branche weniger interessant. In der Praxis, gerade bei historischen Gebäuden, sieht die Bilanz oft anders aus – das hat sich bereits herumgesprochen.

Allerdings ist Infrarotheizung nicht gleich Infrarotheizung. Systeme unterscheiden sich deutlich in Bauweise, Steuerung und Reichweite. Wir kombinieren entfeuchten und heizen mit einer 8-Stufen-Steuertechnik, die den Energieeinsatz bedarfsgerecht reguliert. In der Praxis kann das – je nach Gebäude und Nutzung – zu deutlich niedrigeren Verbräuchen führen, als sie in theoretischen Berechnungen häufig angenommen werden.

Heizen mit Infrarot im Schloss
Infrarot im Jagdschloss: Dezente Paneele verteilen die Wärme ohne sichtbare Heizkörper und ohne Eingriff in die Bausubstanz

2. Für Leser ohne technischen Hintergrund: Wie funktioniert eine Infrarotheizung und worin unterscheidet sie sich grundlegend von klassischen, luft- oder wassergeführten Heizsystemen?

Statt primär die Luft zu erwärmen, geben Infrarotheizungen - mit entsprechender Reichweite - Strahlungswärme ab, die direkt von Oberflächen und Gegenständen im Raum aufgenommen wird. Diese Speicherwärme wird anschließend wieder an die Umgebung reflektiert, wodurch sich im Raum ein Wohlfühlklima aufbaut.

Tiefer liegende Bauteile wie Wände, Böden oder Decken werden ebenfalls erreicht. Dadurch wird eine nachhaltige Erwärmung ermöglicht, ohne die Luft aufzuheizen. Keine Konvektion durch die Paneelen führt zu einem gesunden Raumklima. Idealerweise liegt die relative Luftfeuchtigkeit dann bei 40–60 %.

Die Systeme unterscheiden sich stark in Reichweite, Steuerung und Effizienz. Leistungsfähige Infrarotlösungen regulieren die Energiezufuhr bedarfsgerecht. Einfache Paneele, ausgestattet mit Thermostat, haben meist eine geringe Reichweite, erzeugen hohe Oberflächentemperaturen und erwärmen wie herkömmliche Heizungen die Luft.

Ballsaal heizen mit Infrarot im Schloss
In großvolumigen Räumen spielt Infrarot seine Stärken aus: Strahlungswärme wirkt direkt, ohne die gesamte Raumluft aufzuheizen

3. Viele Eigentümer sanieren historische Gebäude mit begrenztem Budget. Wann ist Infrarot eine realistische Alternative zu wassergeführten Systemen  und wo liegen die Grenzen?

Im historischen Altbau ist das Reduzieren der Mauerfeuchtigkeit entscheidend. Feuchte Wände können bei klassischen Heizsystemen zu Kondenswasser führen, weil warme Luft auf kalte Bauteile trifft. Das kann die Dämmwirkung verringern und langfristig Bauschäden verursachen. Infrarotheizungen, mit hoher Reichweite, arbeiten anders: Sie temperieren die Bauteile und die Einrichtung. So entfeuchten und trocknen sie die Bauteile mit entsprechender Eindringtiefe.

Praktisch bieten Infrarotlösungen einen deutlich geringeren Installationsaufwand als wassergeführte Systeme. Sie benötigen keine Leitungen, keine Stemmarbeiten und keinen Kaminkehrer-Service. Wartung und Betrieb sind in der Regel unkompliziert bis wartungsfrei, was die Anschaffungs- und Folgekosten deutlich senkt – insbesondere bei kleineren Sanierungsprojekten oder begrenztem Budget.

Auch bei großvolumigen Gebäuden ist eine Infrarotheizung mit hoher Reichweite zu 100 Prozent einsetzbar. Eine hybride Lösung kann sehr dienlich sein bei Systemen mit geringer Reichweite.

4. Wärmepumpen erzeugen aus einer Kilowattstunde Strom ein Vielfaches an Wärme, Infrarot arbeitet physikalisch 1:1. Warum kann diese Rechnung bei großen historischen Gebäuden dennoch zugunsten von Infrarot ausfallen?

Die 1:1-Rechnung trifft nur auf einfache Widerstandsheizungen zu, die ähnlich wie klassische Elektroheizungen arbeiten, eine geringe Reichweite oft unter einem Meter haben, und über einfache Ein/Aus-Thermostate gesteuert werden. Leistungsfähige Infrarotsysteme bauen gezielt Speicherwärme auf, Böden, Wände, Decken und auch Möbel werden gleichmäßig temperiert. Wir arbeiten hier mit der Infrarotreichweite von 12 m, die folglich die Speicherwärme aufbauen kann. Eine präzise Steuerung sorgt dafür, dass der Energieeinsatz bedarfsgerecht geregelt wird.

In der Praxis zeigt sich, dass gut konzipierte Infrarotsysteme  einen deutlich geringeren Energieverbrauch erzielen können als vergleichbare Konvektionssysteme. Dabei liegt der Energieverbrauch zur Speichererwärmung häufig bei 1:10 oder mehr.

Das Ergebnis ist eine höhere empfundene Behaglichkeit.

Auf Basis langjähriger Erfahrungen und zahlreicher Referenzobjekte zeigen sich viele Experten überzeugt, dass gut konzipierte Infrarotlösungen gerade in großen historischen Gebäuden eine wirtschaftliche Alternative darstellen können – insbesondere auch bei niedrigen Außentemperaturen.

Brandschutz für Schlösser

5. Denkmalgeschützte Gebäude erfordern eine besonders sorgfältige Planung. Welche baulichen Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Infrarotsysteme langfristig funktionieren, ohne die Substanz zu gefährden?

Beim Denkmalschutz steht die Erhaltung der historischen Substanz im Vordergrund. Klassische Heizsysteme können die Gebäudephysik verändern oder die Mauern belasten. Infrarotheizungen mit Entfeuchtungswirkung können hingegen dazu beitragen, die Substanz langfristig zu schützen und die Mauern trocken zu halten. Ein Beispiel aus Innsbruck zeigt das anschaulich: Über 15 Jahre wurde ein Infrarotsystem gemeinsam mit Architekten in denkmalgeschützten Gebäuden eingesetzt. Meterdicke Sandsteinmauern konnten dauerhaft getrocknet und gleichzeitig beheizt werden, ohne dass die historische Substanz beeinträchtigt wurde.

Solche Erfahrungen zeigen, dass Infrarotsysteme unter sorgfältiger Planung historische Gebäude schonend beheizen und gleichzeitig die Bausubstanz erhalten können.

Altbau in Innsbruck mit Infrarotheizung
Trockene dicke Mauern dank Infrarot: Sanierter Altbau in Innsbruck

6. Infrarotpaneele könnte man in historischen Räumen als Fremdkörper wahrnehmen. Wie lassen sich Infrarotsysteme in Schlössern und großen Sälen integrieren, ohne die Raumwirkung zu beeinträchtigen?

Das wird oft vermutet, trifft in der Praxis aber nicht unbedingt zu. Moderne Infrarotpaneele sind in der Regel flacher und unauffälliger als viele klassische Heizkörper – das Fremdkörper-Problem ist oft eher ein Vorurteil als eine Realität.

Sie lassen sich in die Wand einlassen und können gestalterisch mit dem Raum verschmelzen – etwa als quadratisches Paneel mit einem Stuckrahmen, der sich nahtlos in die Dekoration eines Saals einfügt. Solche Lösungen lassen sich geometrisch präzise auf die vorhandene Ornamentik abstimmen, sodass das Heizelement ein Teil der Raumgestaltung ist.

Paneele aus Kristallglas, Farbanpassungen oder dekorative Oberflächen ermöglichen zusätzlich, dass sich die Elemente an Tapete oder Wandmuster angleichen. Auf diese Weise lassen sich große Säle und Schlösser beheizen, ohne dass das Erscheinungsbild der Räume gestört wird.

Infrarotheizung im Altbau und Neubau
Infrarotpaneele lassen sich dezent und gestalterisch in historische wie moderne Räume integrieren

7. Es gibt die Sorge, Infrarotstrahlung könne Holz, Möbel oder historische Oberflächen schädigen. Wie bewerten Sie diese Befürchtungen aus baubiologischer Sicht?

Diese Befürchtungen sind nach unserer Erfahrung unbegründet. Die Strahlungswärme temperiert, ohne die Materialien zu überhitzen. Wir sprechen hier von Systemen mit entsprechender Reichweite. Widerstandsheizungen dagegen sind hier bedingt einsetzbar. Die passende Infrarot-Heizung hilft, die Feuchtigkeit in Holz, Textilien oder Büchern auf ein normales Maß zu bringen. Dadurch werden muffige Gerüche reduziert und eine Schimmelbildung ist nicht mehr möglich.

Hohe Infrarotreichweite trägt zum Substanzerhalt bei, minimiert Wärmebrücken, begünstigt ein gesundes Raumklima und kann langfristig Sanierungskosten reduzieren.

Infrarotheizung, Antiquitäten
Infrarot schützt historische Oberflächen statt sie zu belasten

8. Sehen Sie die Zukunft eher in eigenständigen Heizsystemen oder in hybriden Lösungen, etwa einer Kombination aus Wärmepumpe zur Grundtemperierung und Infrarot für Nutzungsspitzen?

Leistungsfähige Infrarotsysteme können als eigenständige Heizung eingesetzt werden: wartungsarm, dezentral und dank moderner Steuerungstechnik bedarfsgerecht regelbar für einzelne Räume oder ganze Gebäude.

Hybridlösungen aus Infrarot, meist Widerstandsheizungen, für punktuelle Nutzungsspitzen und einer Wärmepumpe zur Grundtemperierung können ebenfalls eingesetzt werden mit den bekannten Einschränkungen.

Die Wirtschaftlichkeit ergibt sich aus der Summe – geringere Investitionskosten, keine Wartung, keine Heizungsanlage im klassischen Sinne. Wer diese Faktoren zusammenrechnet, kommt oft zu einem anderen Ergebnis als die reine kWh-Rechnung vermuten lässt.

Infrarot, mit entsprechender Reichweite, sorgt für ein angenehmes Raumklima. Richtig eingesetzt unterstützt es die Werterhaltung historischer Bausubstanz und lässt sich flexibel an unterschiedliche Anforderungen anpassen.

Fazit der Redaktion

Infrarot bietet einen Ansatz, der in unterschiedlichen Nutzungsszenarien baulich und wirtschaftlich sinnvoll sein kann. Das gilt für Schlösser und große Gewerbeobjekte wie Hotels ebenso wie für gewöhnliche Wohnräume.

Günstig im Sinne von billig ist es nicht: Planung und Installation sind individuell und haben ihren Preis. Wer jedoch die Gesamtrechnung betrachtet, kommt mitunter zu einem anderen Ergebnis, als es die reine kWh-Betrachtung vermuten lässt.

Wenn Sie prüfen möchten, ob Infrarot für Ihr Schloss, Ihren Altbau oder Ihr Denkmal geeignet ist, kann eine unverbindliche Erstberatung helfen, die Möglichkeiten realistisch einzuordnen.

Ähnliche Beiträge

Immobilieninvestments für Institutionen
Immobilieninvestments für Institutionen bieten stabile Rendite und Vermögenssteigerung. Investitionen an gefragten Auslandstandorten tragen zur Risikodiversifikation bei.
Herrenhaus Biesendahlshof: Ein Fundstück in der Uckermark
Deutschland, Brandenburg: Leerstehendes Schloss und sein Potential durch Zufall auf einer Fahrradtour erkannt. Unternehmerin aus Polen kauft und saniert Herrenhaus. Seniorenheim "Bonum Donum" mit 31 Senioren-Appartments ab sofort bezugsfertig.Es ist...
Das waren die gefragtesten historischen Immobilien im Jahr 2024
Welche historischen Immobilien waren 2024 besonders gefragt und welche Entwicklungen erwarten uns 2025 in diesem speziellen Segment? Unser Jahresrückblick und Ausblick fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Historische Anwesen Deutschland

Pfarrhaus Kreien, Nähe Plau am See
Herrenhaus/Gutshaus DE  19386 Kreien, Mecklenburg-Vorpommern
Schloss Hain bei Küps mit großem Grundstück
Schloss DE  96328 Küps, Bayern
Elegante Jugendstil-Villa direkt in Ingolstadt
Historische Villa DE  Ingolstadt, Nordwest, Gabelsbergerstraße
Villa Matterhorn am Schlachtensee: Historische Residenz mit Energieklasse B
Historische Villa DE  Berlin, Berlin
Gutshaus Zürkwitz Insel Rügen
Herrenhaus/Gutshaus DE  18556 Zürkvitz, Mecklenburg-Vorpommern
Rittergut Schloss Vinzelberg in der Altmark - provisionsfrei
Herrenhaus/Gutshaus DE  39576 Stendal, Sachsen-Anhalt
Geben Sie uns Ihr Feedback!
  • REALPORTICO REALPORTICO News
    Der REALPORTICO Newsletter
    Jenseits von Immos - Neues von REALPORTICO.