Herrschaftliche Adressen für neue Adressaten.
Der Gardasee ist der größte der oberitalienischen Seen und unterscheidet sich von Comer See und Lago Maggiore in Geografie, Architektur und Käuferschaft. Während Como und Maggiore von Belle-Époque-Villen und botanischen Gärten geprägt sind, zeigt der Gardasee ein breiteres Spektrum: mittelalterliche Scaliger-Burgen, Liberty-Villen der Jahrhundertwende, moderne Architektur und dazwischen historische Orte wie Sirmione oder Gardone Riviera.
Was den Gardasee auszeichnet, ist seine Nord-Süd-Ausdehnung von 52 Kilometern. Der schmale Nordteil liegt zwischen steilen Alpenhängen und schafft ideale Bedingungen für Segeln und Windsurfen. Der breite Südteil öffnet sich zur Poebene. Das Klima wird mediterraner, die Landschaft flacher. Diese geografische Vielfalt prägt den Immobilienmarkt: unterschiedliche Käuferprofile, unterschiedliche Nutzungen, unterschiedliche Preisgefüge.
Der nördliche Gardasee zwischen Riva del Garda, Limone und Malcesine zieht eine sportlich orientierte Käuferschaft an. Der konstante Wind – Ora aus Süden am Nachmittag, Pelér aus Norden am Morgen – macht die Region zum Wassersportzentrum. Deutsche, Österreicher und Schweizer dominieren hier den Immobilienmarkt, oft als Zweitwohnsitz-Käufer, die die Seen ganzjährig nutzen oder in den Sommermonaten intensiv vor Ort sind.
Die Architektur ist funktionaler, die Grundstücke kleiner als am Comer See. Historische Villen sind deutlich seltener vertreten. Stattdessen finden sich gut ausgestattete Apartments in modernen Residenzen mit Seeblick, kleinere Villen aus den 1960er bis 1990er Jahren und vereinzelt Liberty-Bauten aus der Zeit um 1900. Die Preise beginnen bei etwa 800.000 Euro für Apartments in guter Lage, Villen mit direktem Seezugang starten bei 2 bis 3 Millionen Euro.
Der südliche Gardasee mit Sirmione, Desenzano und Salò ist touristischer und historisch dichter. Sirmione mit seiner Scaliger-Burg und den Grotten des Catull ist eines der meistbesuchten Ziele am See. Die Thermalquellen ziehen ein anderes Publikum an als der sportliche Norden – Wellness-Tourismus statt Aktivurlaub.
Hier stehen auch die bedeutendsten Villen: die Villa Feltrinelli in Gargnano, heute Luxushotel, oder das Vittoriale degli Italiani in Gardone Riviera, der monumentale Wohnsitz des Dichters Gabriele D'Annunzio. Die Architektur ist vielfältiger, die Orte dichter bebaut. Die Preise bewegen sich auf ähnlichem Niveau wie im Norden, bei vergleichbarer Lage und Ausstattung.
Am Gardasee findet sich keine stilistische Einheitlichkeit wie am Comer See. Mittelalterliche Burgen – die Scaligerburgen in Sirmione, Malcesine und Torri del Benaco – prägen die Ortsbilder. Sie stammen aus dem 13. und 14. Jahrhundert, als die Scaliger-Familie von Verona die Region kontrollierte.
Liberty-Villen aus der Zeit um 1900 konzentrieren sich auf Gardone Riviera, das sich Ende des 19. Jahrhunderts als mondäner Kurort etablierte. Diese Bauten sind kleiner und zurückhaltender als die großen Villen am Comer See, aber architektonisch interessant. Charakteristisch sind asymmetrische Fassaden, Erker, Loggien und die Integration in terrassierte Hanggärten.
Daneben existiert viel Nachkriegsarchitektur – die 1950er bis 1970er Jahre brachten einen Bauboom, der den See nachhaltig veränderte. Nicht alles davon ist bemerkenswert, aber gut gelegene Objekte aus dieser Zeit werden heute saniert und modernisiert. Der Markt zeigt sich pragmatischer als am Comer See: Was zählt, ist die Lage und die Nutzbarkeit, weniger die historische Bedeutung.
Der Gardasee spricht eine andere Käuferschaft an als Comer See oder Lago Maggiore. Deutsche Käufer stellen etwa 35 bis 40 Prozent – deutlich mehr als an den anderen Seen. Österreicher und Schweizer folgen mit zusammen etwa 20 Prozent. Italienische Käufer machen etwa 30 Prozent aus, oft aus Verona, Brescia oder Mailand.
Die Nutzungskonzepte sind vielfältiger. Am Comer See dominieren Sommerresidenzen und repräsentative Familiensitze. Gardasee-Käufer erwerben ihre Objekte häufiger mit der Absicht, sie ganzjährig zu nutzen oder als Ferienwohnungen zu vermieten. Die touristische Infrastruktur ist dichter, Vermietungen sind etabliert und rechtlich klarer geregelt als an anderen Seen.
Investoren nutzen Potenzial in der Umnutzung historischer Objekte zu Boutique-Hotels oder Wellness-Residenzen. Die touristische Nachfrage ist stabil, und Projekte wie die Villa Feltrinelli zeigen, dass der Markt für hochwertige Hotel- und Hospitality-Konzepte Raum bietet.
Die Preise am Gardasee liegen unter denen am Comer See, der Unterschied ist jedoch geringer als oft angenommen. Anwesen in erster Seelage mit historischer Bedeutung bewegen sich zwischen 3 und 10 Millionen Euro. Ausnahmeobjekte erreichen höhere Summen, sind jedoch nur selten am Markt.
Der Markt ist aktiver als am Comer See. Die Vermarktungsdauer beträgt etwa 12 bis 24 Monate – vergleichsweise kurz, da die Käuferschaft pragmatischer ist und Entscheidungen schneller trifft. Schätzungsweise 30 bis 40 bedeutende Objekte wechseln pro Jahr den Besitzer, mehr als am Comer See oder Lago Maggiore.
Die Verfügbarkeit ist besser. Während am Comer See viele Villen über Generationen in Familienbesitz bleiben, kommen am Gardasee häufiger Objekte auf den Markt – oft weil Eigentümer die touristische Nutzung nicht mehr fortführen können oder wollen, manchmal aus Erbschaftsgründen.
Der Gardasee eignet sich besser für die Ganzjahresnutzung als der Comer See oder der Lago Maggiore. Das Klima ist milder, die Winter weniger feucht. Viele Orte bleiben auch außerhalb der Saison lebendig, Restaurants und Geschäfte sind ganzjährig geöffnet. Das macht den See für Käufer interessant, die das ganze Jahr über Leben und Aktivität genießen möchten.
Die Infrastruktur ist ausgebaut: Autobahnanschlüsse im Süden, Flughäfen in Verona (30 km) und Bergamo (80 km), medizinische Versorgung auf hohem Niveau. Auch kulturell bietet die Region mehr als die anderen Seen: Verona mit seiner Oper, Brescia mit seinen römischen Ruinen, Mantua als Renaissance-Stadt. Der Gardasee funktioniert nicht isoliert, sondern als Teil einer größeren Region.
Der Gardasee ist weniger mondän als der Comer See, aber vielseitiger. Er zieht keine nennenswerte internationale Prominenz an, dafür aber eine stabile, kaufkräftige Mittelschicht aus dem DACH-Raum. Die Villen sind seltener spektakulär, aber oft besser nutzbar. Die Preise sind niedriger, aber nicht dramatisch.
Im Vergleich zum Lago Maggiore ist der Gardasee touristisch dichter erschlossen, aber auch lebendiger. Wer Ruhe sucht, findet sie am Maggiore leichter. Wer Infrastruktur, Wassersport und ganzjährige Nutzung priorisiert, ist am Gardasee besser aufgehoben.
Der Gardasee ist kein Statussymbol wie der Comer See. Für Käufer, die eine historische Villa als Wohn- und Lebensmittelpunkt suchen und nicht als reine Sommerresidenz, ist der Gardasee oft die praktischere Wahl.