Seit 1586 ist der Pazo Brandaliz in Galicien in Familienhand. Der Besitz nahe Ortigueira besteht aus einem Herrenhaus mit Gartenanlage, einer Kapelle aus dem Jahr 1630 und landwirtschaftlichen Nebengebäuden. Im Gespräch erzählt Mónica Zea Teijeiro von der Geschichte ihrer Familie, dem Leben zwischen Garten und Solana und den Erinnerungen, die mit dem Haus verbunden sind. Sie spricht über den Abschied von einem Ort, der über Generationen hinweg ein Zuhause war, über die Möglichkeiten für seine Zukunft – und darüber, warum die neuen Eigentümer bei der Übergabe zunächst alle Schubladen öffnen sollten.


- 1586 bis heute: Geschichte & Erbfolge
- Alltag mit Filmkulisse
- Ein Garten mit unsittlichen Früchten
- Kapelle San Miguel: Hausbesuche seit 1630
- Inventar aus vier Jahrhunderten
- Warum Brandaliz kein Hotel wurde
- Kommt die Weltmusik nach Brandaliz?
- Überraschung für die Nachfolger
1. Frau Zea Teijeiro, wir befinden uns etwas außerhalb von Ortigueira in Galicien, auf einem Anwesen mit Herrenhaus, Garten, Kapelle und Kornspeicher. Welcher wirtschaftliche und historische Hintergrund steht hinter diesem Ensemble und welche Rolle spielen Sie dabei?
Brandaliz ist seit 1586 im Besitz meiner Familie. Damals kaufte einer meiner Vorfahren, Bartolomé Pardo de Cela, Sargento Mayor und damit hoher Offizier der spanischen Tercios, das Grundstück vom Hieronymitenorden. Er baute es weiter aus und gab ihm zunehmend repräsentativen Charakter.
Bartolomé hatte nur eine Tochter, Juana Pardo de Cela, die Fernando Ponce de León heiratete. Als die beiden Brandaliz erbten, ließen sie sich hier nieder und machten es zum Stammsitz der Familie. Die Ponce de León blieben über Generationen mit dem Besitz verbunden.
Mit ihnen wuchs und veränderte sich das Ensemble. 1630 entstand die dem heiligen Michael geweihte Kapelle. Dass man diesen Schutzpatron wählte, halte ich nicht für Zufall: Michael ist der Anführer der himmlischen Heerscharen. Sowohl Bartolomé Pardo de Cela als auch sein Schwiegersohn Fernando Ponce de León waren Sargentos Mayores der Tercios.
Anfang des 18. Jahrhunderts ließ ein weiterer Vorfahr die Gärten anlegen, die bis heute wesentlich zum Charakter von Brandaliz beitragen. Und was manchmal für einen traditionellen Hórreo gehalten wird, ist in Wirklichkeit eine große Panera. Auch sie diente als Getreidespeicher, ist aber deutlich größer als die üblichen Speicher dieser Art.
Zum Pazo gehörten Ländereien und Bauernhöfe, deren Bewohner Pacht zahlten. Er bildete das Zentrum eines größeren Guts, dessen Erträge und Verwaltung mit der Stellung der Familie verbunden waren. Wer ein solches gebundenes Familienvermögen erbte, nahm eine privilegierte Stellung ein, übernahm aber auch die Verantwortung, den Besitz zu erhalten und zu mehren, um ihn an die nächste Generation weiterzugeben. Einige meiner Vorfahren vergrößerten ihn beträchtlich und bekleideten zugleich Ämter als Militärs, Ratsherren oder Burgkommandanten der Umgebung. Das Leben vieler Menschen und die Bewirtschaftung zahlreicher Güter waren eng mit dem Pazo und seiner Familie verbunden.
Eine Besonderheit in der Geschichte von Brandaliz fand ich schon immer besonders schön: Anfang des 19. Jahrhunderts starb Andrés Ponce de León kinderlos und der Besitz ging an seine Schwestern. Seither wurde Brandaliz aus unterschiedlichen Gründen immer über die Frauen der Familie weitergegeben.
So kam der Besitz an meine Großmutter, die die Anteile ihrer Geschwister aufkaufte und ihn wieder in einer Hand vereinte. Danach erbte ihn meine Mutter, ein Einzelkind. Wir sind vier Geschwister, zwei Brüder und zwei Schwestern. Damit wiederholte sich die Geschichte: Bei der Aufteilung des mütterlichen Erbes fiel Brandaliz an meine Schwester Marta und mich.
Wir sehen uns als ein weiteres Glied in einer Familiengeschichte, die vor mehr als vier Jahrhunderten begann. Wie die Frauen vor uns tragen auch wir die Verantwortung dafür, den Besitz für die nächste Generation zu erhalten.
2. Hier auf der Terrasse ist es still, der Blick geht über den Garten zur Ría und den sanften Hügeln dahinter. Wie viel Alltag steckt in dieser Filmkulisse? Beginnt der Tag hier draußen mit einem Frühstück?
Diese Terrasse hat einen eigenen Namen: die Solana. Sie heißt so, weil sie durch ihre Ausrichtung einen großen Teil des Tages in der Sonne liegt. Solanas findet man auch in anderen Pazos und großen Herrenhäusern Galiciens.
Ein wichtiger Teil unseres Lebens in Brandaliz hat sich schon immer rund um die Solana abgespielt. In meiner Kindheit und Jugend haben wir hier viele Sommer lang gefrühstückt. Es war ein besonders schöner Moment des Tages: die Stille, die Landschaft, die Bucht im Hintergrund und die Vögel. Ein Ort, der dazu einlädt, sich hinzusetzen und zu genießen.
Am engsten mit der Solana verbunden ist jedoch der späte Nachmittag. Meine Mutter liebte diese Zeit. Wenn die Sonne tiefer steht und an Kraft verliert, kommen wir nach und nach zusammen: nach der Rückkehr vom Strand, einem Spaziergang, einem Ausflug in die Umgebung oder einem Nachmittag auf dem Wasser. Unsere Familie hatte immer ein kleines Boot, mit dem wir in der Bucht unterwegs waren. Andere verbrachten den Nachmittag im Garten, wie meine Mutter, wenn sie sich um ihre Pflanzen kümmerte. Dann erzählen wir einander, was jeder erlebt hat, trinken ein Glas Wein und sehen der Sonne beim Untergehen zu.
Die Stille des Morgens weicht Gesprächen, dem Lachen der Jüngeren und dem Treiben unserer Hunde. In unserer Familie gehörten Hunde schon immer dazu.
Bei schönem Wetter, manchmal sogar an Wintertagen, wird die Solana zum Mittelpunkt des Hauses. Im Sommer spielt sich ein großer Teil unseres Lebens hier ab, im Licht und mit dem friedlichen Ausblick, an dem wir uns nie sattgesehen haben.

Teil des Alltags: Solana mit Blick auf die Bucht
3. Der Garten mit Buchslabyrinth und Araukarie im Zentrum ist der Hauptdarsteller dieser Szenerie. Wie sieht ein Gartenjahr aus, wer arbeitet hier und was bedeutet der Garten Ihnen persönlich?
Der Garten von Brandaliz hat eine Seele, genau wie das Haus. So habe ich ihn immer erlebt.
Meine Vorfahren begeisterten sich für Botanik und Gartenkunst. Noch heute wachsen hier Pflanzen und Bäume, die seit Generationen im Garten stehen. Dazu gehört auch ein ungewöhnlicher Orangenbaum mit eigentümlichen Früchten. Im 18. Jahrhundert hielt ein Bischof diese für unsittlich und verlangte von einem meiner Vorfahren, den Baum zu fällen. Dieser weigerte sich mit der Begründung, die Früchte seien ein Werk der Natur und gewann den Rechtsstreit gegen die Kirche. Die besondere Orangenart steht bis heute im Garten.
Ich bin an der Seite meiner Mutter aufgewachsen, die den Garten über alles liebte. Sie brachte meinen Geschwistern und mir bei, die Natur zu achten und sich um alles Lebendige zu kümmern: Pflanzen, Bäume, Vögel, kleine Tiere und selbst Insekten. Durch sie haben wir den Garten und seine Bewohner kennengelernt.
Viele Jahre lang pflegten Gärtner den Garten unter ihrer Anleitung. Nach dem Tod meiner Mutter und während der Pandemiejahre befiel eine Krankheit Teile des Buchsbaumbestands. Wir mussten einige Bereiche vereinfachen, konnten aber das Labyrinth und andere wichtige Teile erhalten. Der Garten hat noch immer seinen Charme, ist heute jedoch leichter zu pflegen. Das galicische Klima hilft dabei, denn der Regen sorgt von selbst für die grünen Rasenflächen.
Heute kümmert sich eine Person gezielt um den Buchsbaum. Für bestimmte Arbeiten holen wir Fachleute hinzu. Alles Übrige erledigen meine Schwester und ich gemeinsam mit unseren Familien.
Jede Jahreszeit hat ihre eigene Schönheit. Am eindrucksvollsten ist der Frühling mit Azaleen, Magnolien und Rosen, gefolgt vom Sommer mit Rosen, Wunderblumen und Hortensien.
Nach der Übergabe helfe ich auf Wunsch gern bei der Suche nach einem guten Gärtner und gebe unser Wissen über die Pflege weiter. So kann der Garten auch mit der nächsten Familie weiterleben.

Gartenlabyrinth mit Araukarie (Schuppenfichte) im Zentrum

und eine unsittliche
Frucht am Orangenbaum
4. Eine Kapelle ist Teil eines Pazo. Zu welchen Anlässen nutzen Sie die private Kapelle San Miguel heute? Ist sie für Sie ein spiritueller oder eher ein praktischer Ort?
Kapellen in einem Pazo werden heute unterschiedlich genutzt. Einige wurden direkt als Hauskapelle in das Herrenhaus integriert. Unsere Kapelle ist dagegen ein eigenständiges Gebäude und dem heiligen Michael geweiht. Sie ist bis heute ein lebendiger Ort und Teil des Lebens im Haus.
Hier haben wir Hochzeiten und Taufen in der Familie gefeiert. Auf unsere Bitte kommt der Pfarrer von Ortigueira, um eine Messe zu lesen. Mindestens einmal im Jahr wird weiterhin eine Messe in San Miguel gefeiert.
Die Kapelle hat für uns tatsächlich auch eine persönliche spirituelle Bedeutung. Hierher kann man sich für einen Moment zurückziehen, zur Ruhe kommen und über Dinge nachdenken, die einen beschäftigen. Sie wird täglich geöffnet und gelüftet und gehört ganz selbstverständlich zu unserem Alltag. Für uns ist sie kein Raum, der nur aus Tradition erhalten wird, sondern ein Ort, den wir bis heute nutzen und der für unsere Familie eine besondere Bedeutung hat.

Hausbesuche seit 1630
5. Wer durch das Haus geht, begegnet überall altem Mobiliar, Büchern und Bildern. Was können Sie uns über einzelne Stücke erzählen? Was stammt aus dem Haus selbst und was bleibt für die Nachfolger dort?
In Brandaliz ist noch ein Teil der ursprünglichen Ausstattung erhalten. Ab Ende des 19. Jahrhunderts blieb der Pazo viele Jahre geschlossen, bis meine Großmutter die Anteile ihrer Geschwister kaufte und den Besitz wieder zusammenführte. In dieser Zeit wurde ein Großteil des Mobiliars aus dem Haus geholt und unter verschiedenen Familienmitgliedern aufgeteilt.
Einige Stücke sind geblieben, darunter ein Schreibtisch, ein Konsoltisch, ein Spiegel und ein Marmortisch, von denen wir wissen, dass sie schon seit dem 19. Jahrhundert in Brandaliz stehen.
Als meine Großmutter den Besitz wieder übernahm, richteten sie und mein Großvater das Haus neu ein. Sie kauften dafür Möbel, vor allem in den 1920er- und 1930er-Jahren. Später ergänzte meine Mutter die Einrichtung um Stücke aus dem Antiquitätenhandel. Nicht alles stammt ursprünglich aus dem Pazo, doch vieles gehört seit Jahrzehnten zur Ausstattung und damit zur Familiengeschichte.
Besonders interessant sind einige Elemente, die zum Haus selbst gehören. Im Esszimmer ist ein altes Handwaschbecken aus Granit erhalten, an dem man sich vor dem Essen die Hände wusch. Es hat die Form einer Pilgermuschel. In einem früheren Arbeitszimmer, das heute als Schlafzimmer dient, sind die ursprünglichen Wandmalereien zu sehen. Auch eine Tür hat ihre gemalte Verzierung bewahrt.
Die heutige Einrichtung möchten wir nicht unbedingt mitnehmen. Wenn die neuen Eigentümer die Möbel behalten möchten, können wir sicher vereinbaren, dass ein großer Teil im Haus bleibt.

Salon im Pazo mit Möbeln aus den 1920er Jahren
6. Ein Pazo bringt baulich bedingt, unabhängig vom Denkmalstatus, Einschränkungen und Planungsaufwand mit sich. Welche gewerblichen Nutzungen neben dem privaten Wohnen halten Sie für machbar, welche eher nicht?
Ich sehe hier in erster Linie einen Familiensitz. Obwohl es sich um einen Pazo mit mehreren Gebäuden und großem Garten handelt, ist das Haupthaus nicht übermäßig groß und lässt sich angenehm bewohnen.
Wir haben in der Vergangenheit geprüft, ob sich ein kleines Hotel realisieren ließe. Letztlich haben wir das Projekt verworfen, weil dafür weitreichende bauliche Eingriffe notwendig gewesen wären. Wir fühlten uns nicht wirklich wohl mit der Vorstellung, das Haus zu stark verändern zu müssen, um es an diese Nutzung anzupassen.
Brandaliz wäre aufgrund seiner Kulisse auch als Drehort für Film- und Fernsehproduktionen geeignet. Auch kleinere Treffen, Konzerte oder Veranstaltungen im Garten wären denkbar, besonders im Sommer und selbstverständlich im Rahmen der geltenden Vorschriften.
Der laufende Unterhalt ist für eine Immobilie dieser Art weniger aufwendig, als man denkt. Aber die Dächer brauchen Aufmerksamkeit, denn galicische Winter können rau sein. Und der Garten muss das ganze Jahr über gepflegt werden. Wenn wir nicht vor Ort sind, kommt einmal pro Woche jemand ins Haus, um zu putzen und regelmäßig zu lüften.

Im Original erhalten: Traditionelle Küche mit Kamin
7. Ortigueira hat weniger als 6.000 Einwohner und ist dennoch durch sein Festival der keltischen Musik weltbekannt. Welche Rolle könnte der Pazo künftig im kulturellen Leben des Ortes spielen?
Unser Haus stand als privater Familiensitz nie in direktem Bezug zum kulturellen Leben von Ortigueira. Aufgrund seiner lokalen Bekanntheit weckte es jedoch Interesse. Meine Mutter erhielt öfter Anfragen von verschiedenen Organisationen und Vereinen aus dem Umfeld des galicischen Kulturerbes, die den Pazo besuchen und kennenlernen wollten. Welche Rolle der Pazo künftig spielen wird, hängt natürlich vom Gespür und den Interessen der neuen Eigentümer ab.
Ortigueira mag ein kleiner Ort sein, doch das Festival zeigt, wie weit seine kulturelle Ausstrahlung reichen kann. Brandaliz könnte dafür einen passenden Rahmen bieten: Die Gärten für sommerliche Konzerte, Begegnungen und Kulturveranstaltungen, die Innenräume für eine Kunstsammlung, Ausstellungen und kulturelle Projekte.
Eine gelegentliche Öffnung für kulturelle Veranstaltungen könnte Brandaliz stärker im öffentlichen Leben von Ortigueira verankern, ohne den privaten Charakter des Hauses aufzugeben.

Festival Internacional del Mundo Celta: Einmal im Jahr wird Ortigueira zum Schauplatz für keltische Musik
Foto: Quique-ast, CC BY-SA 4.0
8. Angenommen, Sie legen dem nächsten Eigentümer einen Brief in den Sekretär im Salon. Was steht darin?
Den neuen Eigentümern würde ich einen Ort anvertrauen, der über Generationen zu den größten Schätzen unserer Familie gehörte. Zugleich bin ich Teil einer Generation, die sich nun davon verabschiedet.
Das geschieht nicht mit Schmerz, sondern mit Verantwortungsgefühl. Unsere Zeit hier ist zu Ende gegangen, nun beginnt ein neues Kapitel mit anderen Menschen.
Wir haben Brandaliz mit viel Liebe übernommen, uns darum gekümmert und die gesamte Anlage über all die Jahre gepflegt. Die nächsten Eigentümer sollen ihren eigenen Weg finden, hier leben und den Ort auf ihre Weise genießen. Wie ihr Leben hier aussehen soll, möchte ich ihnen nicht vorschreiben. Ein Haus mit einer jahrhundertealten Geschichte darf sich mit seinen Bewohnern verändern und weiterentwickeln.
Wir waren nur ein Teil dieser langen Geschichte. Nun liegt es an den nächsten Eigentümern, sie fortzuschreiben und Brandaliz zu einem Teil ihres eigenen Lebens zu machen.

Erste Amtshandlung für neue Eigentümer: Alle Schubladen öffnen
